Weniger Prävention?
In den letzten beiden Posts ging es um zwei Muster: mehr Anfragen für Strategiearbeit, mehr Anfragen für akutes Problemlösen im Anlauf. Ein drittes Muster gehört dazu, das eher durch sein Fehlen auffällt.
Was seltener nachgefragt wird: präventive Methodenarbeit. APQP frühzeitig aufsetzen, DRBFM als Standardmethodik einführen, Design-for-Manufacturing und Design-for-Reliability von Anfang an verankern.
Das ist bemerkenswert, weil genau diese Methoden am günstigsten wirken, nämlich solange noch kein Problem entstanden ist. Ein DRBFM-Workshop in der Konzeptphase kostet einen Bruchteil dessen, was eine Anlauf-Rettung später kostet.
Eine naheliegende Erklärung: Wenn akute Probleme die Kapazität binden, bleibt für Prävention kaum Budget und kaum Aufmerksamkeit übrig. Prävention verliert im Vergleich zum brennenden Thema fast immer – nicht, weil sie weniger wichtig wäre, sondern weil sie weniger dringend wirkt.
Das lässt sich ändern, ohne dass es zusätzliches Budget in schwierigen Zeiten braucht: Prävention muss nicht als eigenes Programm laufen. Sie lässt sich zwischen Produktplanung und Anlauf einbauen, als fester Bestandteil, nicht als Add-on, das zuerst gestrichen wird.
Die Frage, die daraus folgt: Wie viele der aktuellen Strategie- und Problemanfragen wären kleiner ausgefallen, wenn vor zwei Jahren in Prävention investiert worden wäre?