Viele MBSE Transformationen bleiben organisatorisch Methodeneinführungen mit Transformationsetikett.
Ich sehe in Unternehmen immer wieder dieses Muster:
Der Einstieg in MBSE erfolgt über ein Tool, beispielsweise ein ALM System. Dazu kommen Methoden und Tooltrainings. Requirements Engineering wird geschult, Modellierung wird geschult, das Tool wird geschult.
Und irgendwann heißt das Ganze „MBSE Transformation“.
Das Problem ist nicht das Tool. Und auch nicht das Training.
Das Problem entsteht, wenn man erwartet, dass sich dadurch die Organisation gleich mitverändert.
Denn danach arbeiten die Menschen häufig weiter in denselben Strukturen:
• Verantwortlichkeiten bleiben unklar.
• Entscheidungswege und Reviews bleiben unverändert.
• Organisation und Produktarchitektur passen nicht zusammen.
• Führung erwartet neue Methoden, steuert aber nach der alten Logik.
Eine aktuelle Veröffentlichung im Systems Engineering Journal passt bemerkenswert gut zu dieser Beobachtung. Die Autor:innen identifizieren 49 Barrieren für Digital Engineering Transformation in sechs miteinander verbundenen Dimensionen:
People. Technology. Processes. Culture. Infrastructure. Goals.
Viele dieser Barrieren wirken über mehrere Transformationsziele hinweg. Digital Engineering ist damit eben nicht nur eine technische oder methodische Herausforderung.
MBSE Transformation ist eine soziotechnische Transformation.
Wenn sich die Engineering Arbeitsweise verändert, müssen Rollen, Entscheidungswege, Prozesse, Organisation und Führung mitgedacht werden. Sonst trainieren wir eine neue Engineering Logik und schicken die Menschen anschließend zurück in eine Organisation, die weiterhin nach der alten funktioniert.