Was der Stückpreis nicht verrät.
Varianten-Komplexität beherrschen
60–80% der Lebenszykluskosten eines Produkts werden durch Architektur- und Variantenentscheidungen festgelegt, nicht durch den Stückpreis.
Was das konkret bedeutet: Zwei Steuergeräte mit ähnlichen Hardwarekosten, eines auf einer Plattformarchitektur mit standardisierten Interfaces, das andere für einen spezifischen Kunden adaptiert mit eigener Softwarelogik, eigener Testsuite, eigener Qualifikation. Bei jeder Modellgeneration wiederholt sich der Aufwand. Der TCO-Unterschied (Gesamtkosten): 30–50%. Das ist nicht im Einkauf sichtbar, sondern in der Architekturentscheidung verankert, die Jahre früher getroffen wurde.
Total Cost of Ownership (hier nicht aus Kundenperspektive, sondern aus Herstellersicht): was kostet diese Variante das Unternehmen über ihren gesamten Lebenszyklus, macht das sichtbar. Nicht nur der Teilepreis, sondern Einmalinvestitionen, um eine Variante produktionsfähig zu machen, und laufende Kosten über den gesamten Lebenszyklus: variantenspezifische Nacharbeit, Softwarepflege, Ersatzteile, Wartung, Engineering durch späte Änderungen. Je weiter eine Variante vom Plattformstandard abweicht, desto höher werden CAPEX und OPEX.
Die Konsequenz daraus ist eine Entscheidungslogik: keine Checkliste, sondern vier Fragen, die bei jeder neuen Variante gestellt werden müssen: Erhöht sie dauerhaft die Variantenanzahl? Schafft sie neue Abhängigkeiten zu anderen Modulen? Ist sie reversibel? Und übersteigt der Nutzen die Lebenszykluskosten?
Ich habe dafür ein vereinfachtes Modell entwickelt – management-tauglich und schnell anwendbar. Es hilft bei einer konkreten Frage: Sollen wir diese neue Variante einführen und zu welchem Preis? Für die Portfoliobereinigung braucht es zusätzlich eine systemische Betrachtung der Verbundeffekte. Wer Interesse am Modell hat, meldet sich gern.
Modulare Produktarchitektur ist die strukturelle Antwort auf Komplexitätskosten. Dazu mehr im übernächsten Post.